Sterben die PC-Spiele(r) aus?
Bastian | 30. October 2007
Seit ein paar Monaten ist mein GeForce-7-Notebook für aktuelle PC-Spiele deutlich zu schwach. Es macht einfach keinen Spaß, die neuesten DX10-Brummer auf der Kiste beim Ruckeln zu beobachten. Ein neuer PC musste her und zwar schnell! Mit einer Geforce 8800er, einem schnuckeligen Quadcore-Q6600 und elitären 2GB RAM. Doch während ich bereits Komponenten-Preise und Gamestar-PCs von der Stange verglich, schoss mir eine ganz zentrale Frage durch den Kopf: Für welches Spiel lohnt sich die Anschaffung des neuen PC-Boliden überhaupt? Crysis? Klar, das wird ein Grafik-Hammer, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat! Word in Conflict? Logisch, denn das Spiel hat neben genialer Grafik sogar noch ein geniales Gameplay zu bieten! Und dann natürlich noch… äh, ja, was eigentlich?
Klar, die “Orange Box” und auch “Bioshock” sind ein absoluter Pflichtkauf und selbst “Call of Duty 4″ dürfte viel besser als erwartet ausfallen. Aber diese Spiele hole ich mir für die Xbox 360 – aus Bequemlichkeit und weil ich alles kabellos von der Couch auf einem hochauflösenden LCD-TV zocken kann.
Ich bringe es auf den Punkt: Die wirklich guten und gleichzeitig PC-exklusiven Games sterben aus, die Anschaffung eines 1300-Euro-PCs lohnt sich nicht mehr. Warum soll ich mir eine Höllenmaschine unter den Schreibtisch stellen, wenn es zum Weihnachtsgeschäft weniger als eine Handvoll guter PC-Spiele geben wird? Selbst meine große Hoffnung namens “Hellgate: London” entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als belangloser Singleplayer-Durchschnitt, was ein weiterer Grund für den Nichtkauf ist.
Blickt man auf die PC-Spiele der letzten Monate zurück, ergibt sich wertungstechnisch ein sehr trauriges Bild. Während auf den Konsolen ein Hit den anderen jagt, daddeln viele PC-Spieler eher lauwarme Durchschnittskost. Andere wiederum sind seit der Veröffentlichung von “World of Warcraft” schwer süchtig und haben das Interesse an nahezu allen anderen Spielen gänzlich verloren. Was sich da abzeichnet, bringt vielleicht bald eine ganze Industrie ins Trudeln: Ohne genügend PC-Spiele jenseits der 8,5er Wertungsgrenze verkaufen ATI und Nvidia weniger Grafikkarten, der Absatz von Wasserkühlungen sinkt ins Bodenlose und in grelle Neonfarben getauchte Casemods baut bald auch keiner mehr. Denn es waren die Zocker, die der überzüchteten Klickibunti-Hardware überhaupt erst einen eigenen Markt eröffnet haben.
Beim Ausblick auf die PC-Hoffnungsträger des nächsten Jahres, gibt es leider nicht viel zu sehen, selbst in weiter Ferne konnte ich bis auf “Starcraft 2″, “Spore” und “Fallout 3″ keinen weiteren “Ich-brauch-einen-neuen-PC-Titel” entdecken. Haben die Konsolen den Kampf um die Zocker dank unkompliziertem Online-Gaming, günstiger Hardware und Patch-freien Games ohne bockigen Kopierschutz gewonnen? Sieht wohl ganz so aus.
Den Kauf des neuen Traum-PCs habe ich jetzt bis auf unbestimmte Zeit verschoben. Das gesparte Geld hab ich in einen Stapel 360-, Wii- DS-Spiele gesteckt und bin damit bis ins nächste Jahr hinein bestens versorgt. Und sollte mein Notebook den Geist aufgeben, kaufe ich mich einen Apple-Rechner – besser als so eine Vista-Nerverei ist der allemal.






