Halo 3: Aus und vorbei!
Bastian | 30. September 2007
Nach einem erkältungsbedingtem Ausfall kurz nach dem Kauf, habe ich Halo 3 heute endlich durchgespielt. Natürlich hat die neunstündige Linear-Baller-Action viel Spaß gemacht, aber das ganze Brimborium um Microsofts bestes Pferd im Stall kann ich nur bedingt nachvollziehen. Und spätestes als der Master Chief die Glocke an der NASDAQ läutete, ging mir der Medienzirkus um dieses Spiel endgültig auf den Sack. Das wäre natürlich ein wenig anders, wenn Halo 3 dieses Spektakel verdient hätte – hat es aber nicht. Gotteslästerung, Blasphemie, Sony-Fanboy? Au contraire: Ich mag meine Xbox 360 und ich mag die Halo-Serie, sehr sogar.
Doch mit dem dritten Teil der Kultserie haben die Leute von Bungie ihrem Unvermögen Geschichten zu erzählen ein millionenschweres Denkmal gesetzt. Denn die Story von “Halo 3″ ist nicht nur hanebüchen schlecht, sondern auch noch unglaublich mies erzählt. Hinzu kommt eine grausame deutsche Lokalisierung, welche den ohnehin unverständlichen Reigen um Cortana, die Allianz, die Flood und “Wahrheit” (LOL!) das letzte Fünkchen Sinn raubt und ein Fragezeichen nach dem anderen über meinem Kopf kreisen lässt. Gut, dass die Protagonisten und Sternenkriegspartien in der deutschen Fassung mit dämlichen Namen leben müssen, ist nicht unbedingt ein Fehler von Bungie. Aber das man während der gesamten Spielzeit nur flache Charaktere und Story-Bruchstücke zum selbst sortieren vorgeworfen bekommt, lässt das mühsam erschaffene Halo-Universum sofort wieder in sich kollabieren. Kaum holt Bungie den endgültig letzten Kampf um die Menschheit auf die Erde zurück, wird man auch schon durch ein Wurmloch wieder in eine surreale Ringwelt versetzt, rettet Cortana, prügelt sich mit den Flood, verbündet sich mit den Flood, rettet Cortana wirklich (wow!), zerstört einen weiteren Halo-Ring (Überraschung!) und landet am Ende als unscheinbare Randnotiz an einem Denkmal für Kriegshelden.
Natürlich ist alles auch irgendwie ganz anders, da man sich bei “Halo 3″ auch immer einen eigenen Reim auf die ebenso zahl- wie sinnlosen Storyfragmente machen darf. Aber ganz im Gegensatz zu einem Film von David Lynch ist dies nicht die Absicht der Macher, sie können ihre Geschichte einfach nicht gut genug erzählen. Schon gar nicht, wenn es sich nach Microsofts Wunsch um das meistverkaufte und beste 360-Spiel aller Zeiten handeln soll.
Doch bevor die Halo-Fans da draußen zur Steinigung ansetzen, muss ich natürlich den hervorragenden Mehrspielermodus und die witzige Kino-Funktion von “Halo 3″ loben. Damit werde ich nämlich sicher noch ein paar Wochen oder sogar Monate meinen Spaß haben. Und wirklich schlecht (also wertungstechnisch unter 80%) ist “Halo 3″ natürlich nicht, jedoch macht die miese Story meiner Meinung nach sehr viel kaputt, was mich gleich doppelt ärgert. Bevor ich den belanglosen und größtenteils austauschbaren Solomodus nochmals anfasse, freue ich mich lieber auf die Orange Box von “Half-Life 2″. Denn was Bungie nie gelernt hat, ist glücklicherweise eine große Stärke von Valve: Spannende Geschichten voller unvergesslicher und liebenswerter Charaktere zu erzählen.



Gestern um 1.30 Uhr war es endlich soweit: Der letzte große Bösewicht in Rapture wurde von mir erledigt, das große Rätsel von “Bioshock” ist gelöst. Und genau so, wie sich mein Held im Laufe dieses Höllenritts dank zahlloser Gen-Spritzen immer mehr verwandelt hat, so habe auch ich eine große Veränderung durchgemacht. Denn dank Bioshock ist meine Erwartungshaltung gegenüber Egoshootern nun eine völlig andere. Was wird es das arme “Halo 3″ gegen Ende des Monats schwer mit mir haben – ist es überhaupt möglich, so viel Atmosphäre, Grafikpracht, spielerischen Tiefgang und eine derart geniale Soundkulisse wie die von Bioshock zu toppen?





